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And I don’t know a soul who’s not been battered
I don’t have a friend who feels at ease
I don’t know a dream that’s not been shattered
Or driven to its knees
But it’s alright, it’s alright
For we lived so well so long
Still, when I think of the
Road we’re traveling on
I wonder what’s gone wrong
I can’t help it, I wonder what has gone wrong
…​
We come on the ship they call The Mayflower
We come on the ship that sailed the moon
We come in the age’s most uncertain hours
And sing an American tune
Oh, and it’s alright, it’s alright, it’s alright
You can’t be forever blessed
Still, tomorrow’s going to be another working day
And I’m trying to get some rest
That’s all I’m trying to get some rest
…​
— Paul Simon
American Tune

Was kann man denn in diesen düsteren und beklemmenden Zeiten machen, um sich das Gemüt nicht vollends von niesligem November vermiesen zu lassen?

Am Anfang stand Johannas Idee, dass der Verein sich sichtbar positionieren müsste — mit einem "Bettlaken", das von der Balustrade unserer Terasse prankt. Gedacht — getan! Der Vorstand musste nicht groß überzeugt werden, er stimmte gleich begeistert zu. Bei einem konspirativen Treffen in der Bootshalle wurde der Kreativität freier Lauf gelassen und gemeinsamen ein bunter Banner erstellt und öffentlichkeitswirksam aufgehängt.

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Aber das war den unruhigen Geistern im Verein noch nicht genug. Wie wäre es denn, wenn wir alle Wassersportler zu einer Demo gegen Rechts und für die Stärkung der Demokratie auf der Förde bewegen könnten? Prima wäre das!

Noch im Entstehen der Idee fragte mich jemand nach meiner Einschätzung, wieviele Teilnehmer wir wohl mobilisieren könnten. "Fünfzehn" war meine ehrliche und optimistische Einschätzung. Paddeln im Winter ist halt kein Mainstream und zum Zeitpunkt der Planung herrschten noch frostige Minusgrade.

Nun ist so eine Demo in den seltensten Fällen eine spontane Sache, die ohne große Planung und Vorbereitung quasi von selbst entsteht. Ich hatte mich von vornherein als Unterstützung angeboten, wollte aber selbst keine gestaltende Rolle übernehmen. Das war auch gar nicht notwendig, denn wie durch unsichtbare Hand gesteuert, poppten immer mehr Unterstützer auf, die nicht nur gute Ideen beizusteuern hatten, sondern auch Aufgaben übernahmen.

Ich bin mir nicht sicher, ob auch für die Demo Johanna der initiale Stachel war, oder ob Martin P. diese Rolle hatte. Auf jeden Fall hat er bereitwillig die Rolle des nach außen Verantwortlichen übernommen. Das notwendige Koordinierungstreffen bei der Wasserschutzpolizei sollte am Montag Vormittag stattfinden, ein Termin wie gemacht für mich als Rentner. Leider ist Montag der einzige Tag, an dem ich arbeite — aber kein Problem: Anja Sch. sprang ein.

Wie in einem emsigen Ameisenhaufen ergriffen einzelne Leute von sich aus die Initiative, Teilaufgaben zu erledigen. Anne hat die GEMA informiert, Johanna den NDR, Marret die Kieler Nachrichten, Anja Sch. hat eine Bullsheet-Liste erstellt, in die alle ihre Ideen für Bannersprüche eintragen konnten. Auch der Festausschuss wurde ins Boot geholt. Weil Nina gerade im Urlaub war, hat Sophia die Sache eben alleine geschaukelt.

Es wurde eine Lotsen-Bande aufgestellt: Freiwillige, die ein bisschen die Rolle von Hütehunden übernehmen wollten — falls mal ein Schaf von "rechten" Weg abkommen sollte.

Es gab so unendlich viel zu tun und nach den Auflagen der Wasserschutzpolizei zu regeln, dass irgendwann eine zentrale koordinierende Instanz fehlte. Aber dafür haben wir ja die Machmutti Anja D. im Verein. Die kann so einen Zustand gar nicht haben und nahm die Fäden kurzerhand selbst in die Hand. Der Vereinsabend am Mittwoch wurde umgewidmet zur Demo-Vorbereitung und Abstimmung. Hier wurden letzte Unebenheiten geglättet und vor allem: Plakate und Banner gebastelt und getüftelt, wie man die am besten an den Booten befestigen kann.

Auch die Resourcen sämtlicher Nachbarvereine wurden großzügig mit einbezogen: vom ETV wurden zwei Drachenboottrommeln geordert, vom KKK der 10er-Kanadier, von der Rudergesellschaft das Begleit-Motorboot. Bei niemandem mussten wir betteln, alle haben bereitwillig mitgemacht und beigesteuert, was sie konnten.

Am Tag selbst war das Treffen der Lotsen für 12:30 Uhr angesetzt. Als ich fünf Minuten vor der Zeit am Klub eintraf, war ich der letzte! Alle anderen waren schon emsig am Wuseln und die Boote klarmachen.

Johanna übernahm die Rolle des Fähnleinführers auf dem Wasser. Den Lotsen wurden die Positionen zugeteilt, so dass das Feld gut behütet würde.

Je näher der Starttermin rückte, desto dichter wurde das Gedränge auf und vor dem Steg. Es kamen einfach aus allen Richtungen immer mehr Paddler, Ruderer und sogar Surf-Ski-Fahrer. Es gab Teilnehmer von allen Kieler Vereinen, ein Paddler war aus Plön angereist und eine Paddlerin von hinter dem Horizont — aus Tönning! Ich lag mit meiner ursprünglichen Schätzung um Größenordnungen daneben: der NDR sprach später von 70 Booten!

NieWiederIstJetzt2

Es war tatsächlich eine beeindruckende Menge, die sich da auf dem Wasser versammelt hatten. Beeindruckend war aus meiner Sicht vor allem die Buntheit: da waren Kajaks, Poloboote, Ruderboote, der große Mannschaftskanadier, Surf-Skies und das Motorboot der RG Germania. Es gab fast keine gemeinsame Schnittmenge der Teilnehmer — nur diese Demo hat sie zusammengeführt!

Nach getaner Arbeit zur Festigung unserer Demokratie konnten sich die Teilnehmer am bereitgestellten Kaffee und Kuchen gütlich tun. Auch hier war beeindruckend, welche Menge und Auswahl da zusammengekommen ist! Niemand musste mit knurrendem Magen nach Hause gehen.

Was mich bei der ganzen Aktion am meisten gefreut hat, war die Tatsache, wie lebendig dieser Verein doch ist. Wie bereitwillig so eine Aktion durchgeführt werden kann. Und dass sich bei der Organisation immer wieder im rechten Moment Leute in den Vordergrund gedrängelt haben, um die Sache voranzubringen. Das waren durchaus nicht nur die Nasen, die man sowieso schon kennt und die sich nach vorne recken, wenn es Aufgaben zu übernehmen gilt, sondern durchaus auch "unbekanntere" Gesichter. Wenn das nicht zuversichtlich stimmt in dieser novembrigen Zeit!

Nur bei der Sache mit den Funkgeräten fehlt uns noch das letzte Quäntchen Professionalität — aber hej: wir haben der Wasserschutzpolizei immerhin bewiesen, dass wir welche dabei hatten!

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