Dreieinhalb Jahre hat dieses Buch
darauf gewartet, dass es die Bühne des Geschehens betritt. Jetzt
endlich hinterläßt ein anonymer Druckbleistift erste Spuren
darin. Anreise -- diesmal anders: Im Zug von Langwedel nach Kiel. Und
alles, was ich in den nächsten zwei Wochen essen und anziehen werde,
in einem knapp vor dem Bersten stehenden Rucksack dabei. Gestern abend
wog er noch neunundzwanzig Kilogramm, aber heute morgen sind noch
einige Kleinigkeiten, wie die lange gesuchte Zeltunterlage oder dieses
Buch hinzugekommen, so dass er etwas mehr als dreißig Kilogramm auf
die Waage -- oder schlimmer -- auf meine Schultern bringt. Wenn ich
daran denke, dass bei Richard noch mein Zelt, meine Isomatte und mein
Schlafsack darauf warten, mitgenommen zu werden, wird mir etwas mulmig
zumute, und ich frage mich, ob wir letztes Mal wirklich nur dreißig
Kilogramm schwere Rucksäcke hatte oder ob das nur ein nie überprüfter
Schätzwert war. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass wir
damals vor fünf Jahren wesentlich weniger mitgenommen hätten. Ich gehe
mal davon aus, dass wir das Gewicht unserer Rucksäcke nicht so genau
kannten und dass wir ja auch noch einiges ins mitgeschleifte Boot
ausgelagert hatten.
Richard holt mich am Bahnhof vom Zug ab. Es war eine vollkommen problemlose Fahrt. Zweimal umsteigen -- in Bremen und in Hamburg -- und kein großes Warten auf den Bahnhöfen. Die Züge waren beide nicht sehr voll, so dass es kein Problem war, einen Platz zu finden für mich und meinen blauen Kumpel, den Rucksack.
Richards Auto ist leicht ausgemacht: Das mit dem Boot auf dem Dach. Die
endlose Fahrt ins und durchs Reich König Hamlets beginnt. Kurz nach
halb zwölf fahren wir in Kiel los und um 19
Uhr
soll unsere Fähre in Landsend ablegen. Um kurz vor fünf kommen wir
nach ereignisloser Fahrt am Gipfel des Zipfels von Dänemark an --
eine etwas längere Pause haben wir uns gegönnt, in der wir uns an
einem Picnic-Tisch einige Brote basteln wollten. Aber kaum waren die
Scheiben vom Laib getrennt, da fing es aus Leibeskräften an zu regnen,
so dass wir uns fluchtartig ins Auto zurückzogen.
Der Fährhafen von Landsend hat sich mächtig entwickelt und es
herrscht reger Betrieb dort. Während wir warten, läuft die
Express-Fähre ein: ``Silvia Ana L'' -- ein etwas gewagter Name, wie
ich finde. Pünktlich um 19
Uhr legt die ``Christian IV'' aus
der Flotte von ColorLine ab in Richtung Norwegen. Im Bauch unser Auto
mit den Booten und Broten und oben in den Pullmannsitzen -- wir.
Meine Akzeptanz Fähren gegenüber ist immer noch nicht gewachsen und
bewegt sich auf niedrigem Niveau.
Angestrengt versuchen wir, eine Mütze voll Schlaf zu erheischen, aber das ist kein leichtes Unterfangen bei diesen Flugzeug-artigen Sitzen, dem röchelnden Kind hinter uns und den zahlreichen, ständig irgendwelche Plastiktüten voller Spirituosen anschleppenden Skandinavier. Irgendwann bin ich wohl doch eingeschlafen, denn als die Stimme aus dem Lautsprecher das baldige Anlegen verkündet, schippern wir bereits mitten im Hafen von Capetown.