next up previous
Next: Sonntag, 2. Tag Up: Stummel macht A-Kurs Previous: Stummel macht A-Kurs

Sonnabend, 1. Tag

Der Slip der DGzRS in Neuharlingersiel hat wahrscheinlich schon zahlreiche solcher Versammlungen gesehen, bei der zwei Ausbilder der SaU einem Haufen mehr oder weniger planloser Novizen schlaue Fragen stellen und meist nicht ganz so schlaue Antworten bekommen: ``Sag mal, Wo hast du denn dein Erste-Hilfe-Zeugs?'' ``"Oh -- Erste-Hilfe???''

Das Getüddel, bis man endlich im Boot sitzt und selbiges im Wasser, zieht sich endlos hin und es wurden allerhand Kilometer zu Fuß abgerissen zwischen Parkplatz des Wagens, Hafenmeister und Rampe. Vielleicht sollte man doch mal in Betracht ziehen, dass nicht jede SaU den Hafen und die Verhältnisse in Neuhasi wie seine Westentasche kennt und einen kleinen Waschzettel entwerfen, der dem Neuling die Verhält~ und Geheimnisse dieser Örtlichkeit nahebringt. Das könnte eine Menge Zeit und Lauferei sparen.

Die Füße voll schwarzem Schlick schippern wir zwischen Pricken und Leitdamm durchs lebensbejahend braune Wasser nach Norden -- so habe ich die Nordsee in Erinnerung! Wir wollen erstmal an Spiekeroog vorbei uns eine ruhige Stelle im Meer suchen und dort Rettungsübungen machen. Die Verhältnisse sind wenig spektakulär, einzig die kleinen Zwischenfragen von Detlev und Eckart sorgen für Kurzweil: ``Was ist denn das für ein dreieckiges Gebäude da vorne?''

Etwas nördlich von Langeoog landen wir auf einer Sandbank an. Hier fange ich direkt an, mich mit der Nordsee zu versöhnen: Unter meinen Füßen fester sauberer Sand und um mich herum nur Wasser. Ein wirklich sagenhaftes Erlebnis, das man auf der Ostsee wohl kaum finden kann. Übertroffen wurde das nur noch durch den Besuch des Großen Vorsitzenden Bernhard Hillejan.

Gerd aus dem Süden entlockt seinem Kajak allerlei Köstlichkeiten und begeht -- Brotzeit. Es fehlt nur die blau-weiß karierte Tischdecke. Die Raucher frönen ihrer Sucht und irgendwann kommt Christian Harms mit einem weiteren A-Kurs zum Klönschnack angepaddelt. Eine Idylle wie sie im Buche steht. Etwas schwierig gestaltet sich hier nur die Leerung der Blase: es ist bis zum Horizont nicht einmal so etwas ähnliches wie ein Baum zu erblicken. Da bleibt irgendwie der echte Reiz für das männliche Kleinhirn aus.

$\textstyle \parbox{\linewidth}{
\color{Brown}
\vspace{4mm}
\noindent
\rule{...
...schaos}
\end{center} \vspace{-2mm}
\rule{\linewidth}{1mm}
\vspace{-3mm}
}$

In der Nähe einer roten Tonne gefällt es unseren Vorturnern, so dass wir hier mit den Rettungsübungen beginnen. Ich habe nichts dagegen, im Wasser zu liegen, ich kann es nur nicht ausstehen, ins Wasser zu fallen! Entsprechend lange zögere ich diesen Moment hinaus und biete mich großherzig an, zuerst den Retter zu mimen. Aber irgendwann kann ich mich nicht mehr drücken und muss in den sauren Apfel beißen... . Wenn es man ein saurer Apfel gewesen wäre! Aber es war nur die Nordsee und die schmeckt ausgesprochen besch...eiden! Die Seehunde müssen über irgendeinen wirksamen Trick verfügen, mit dem sie verhindern, dass sie Nordsee-Wasser schlucken -- sonst wären sie längst ausgewandert oder würden sich pausenlos übergeben.

\fbox {\begin{minipage}{\linewidth}
\includegraphics[width=\linewidth]{images/R...
...\centering{Rettungs\uml {u}bung in der D\uml {u}nung} \end{minipage} }%end fbox

Irgendwie sind unsere Rettungsversuche unterm Strich noch etwas halbherzig, so dass uns für später im Kurs eine Wiederholung des Ganzen in Aussicht gestellt wird. Bei diesem Koppeister-Gehen und kaltes-Wasser-ins-Ohr-kommen meldet sich Klaus' eben überstanden geglaubte Erkältung zurück und raubt ihm das Gleichgewichtsgefühl sowie den inneren Zusammenhalt. Mit erleichtertem Magen und schwerem Herzen paddelt er zum Strand von Spiekeroog zurück.

Das Dumme an den Stränden in dieser Gegend ist, dass ihr Anfang nicht unbedingt mit dem Ende des Wassers zusammenfällt, sondern meist eine recht erkleckliche Lücke dazwischen klafft. Da ist eine Leistungsschau der Bootswagen angesagt in Kombination mit nachhaltigem Ochsen.

Die Bewältigung des notwendigen Lehrgangsstoffes erfordert ein Treffen der Mannschaft im Küchenzelt der SaU um 19:00 Uhr -- eine knapp bemessene Zeit, um bis dahin Zelt aufgebaut, die Toilette absolviert und das Abendessen zelebriert zu haben. Ich irre über den Zeltplatz und suche ein freies Plätzchen für mich und meine Habseligkeiten. Dabei verliebe ich mich auf Anhieb in dieses Fleckchen Erde. Es gibt so furchtbar viel Horizont und die Wolken sind einfach wunderbar. Ich finde eine kuschelige Kuhle, in die ich mein Zelt schmiege und die obligatorischen Tortellinis mit Tomaten-Sahne-Sauce zelebriere.

$\textstyle \parbox{\linewidth}{
\color{Brown}
\vspace{4mm}
\noindent
\rule{...
...r Hand}
\end{center} \vspace{-2mm}
\rule{\linewidth}{1mm}
\vspace{-3mm}
}$

Mehr oder weniger punktgenau um sieben sitzen wir alle im Küchenzelt und lassen uns die durchgesehenen Klausuren zurückgeben. Ulrike beginnt ihren Vortrag über Erste Hilfe mit spezieller Ausrichtung auf den Seekajak-Sport. Als es ans Eingemachte geht, gibt uns der ebenfalls anwesende Michael -- seines Zeichens berufener Rettungssanitäter -- eine kleine aber sehr kenntnisreiche Ausführung über seine drei ständigen Probleme: Ohnmacht, Atemstillstand, Herzstillstand. So unbestritten notwendig dieses Wissen auch ist, so theoretisch und unverankert wird es bleiben, wenn nicht praxisnahes Üben oder schicksalhaftes Praktizieren dazukommen, um es in tiefere Schichten des Hirns einzudampfen.

Klaus eröffnet uns im Laufe des Abends, dass er nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss gekommen ist, den Kurs nicht weiter fortzusetzen, sondern nächstes Jahr einen neuen Anlauf zu nehmen.

Gespannt lauschen wir abschließend dem Krächzen von Detlevs Radio, um den See-Wetterbericht zu erfahren. Keine widrigen Verhältnisse für morgen. Damit steht unser Plan fest: wir fahren nördlich an Langeoog vorbei, passieren Baltrum und werden irgendwo auf Norderney übernachten. Die folgenden Tage werden wir uns dann nach Neuharlingersiel zurückhangeln. Schöner Plan.


next up previous
Next: Sonntag, 2. Tag Up: Stummel macht A-Kurs Previous: Stummel macht A-Kurs
Mathias-H. Weber