Finales Packen für diesen Kurs. Am Strand ist ebenfalls ein B-Kurs versammelt, dem wir uns für das Aufwärmtraining anschließen. Ich glaube, ein ausführlicheres Aufwärmen hat noch keiner von uns mitgemacht. Möglicherweise diente es auch nur dem Zweck, so lange zu warten, bis die Flut das Wasser an die Kajaks gebracht hat, so dass wir sie nicht dorthin schleppen müssen.
Schnitzeljagd wollen wir machen. Auf dem Weg zurück nach Neuharlingersiel sollen wir einige mehr oder wenige markante Punkte finden und damit unsere Navigationskünste unter Beweis stellen. Zuerst sollen Gerd und ich die Gruppe zu einer bestimmten Kardinaltonne führen. Die ist in der Karte an einer sonst recht einsamen Stelle eingezeichnet, so dass man wenig Anhaltspunkte zu ihrer Ansteuerung hat. Erschwerend kommt hinzu, dass es sein kann, dass es sie gar nicht gibt.
Kein wirkliches Problem für so ausgebuffte Seebären wie uns. Zuerst hangeln wir uns an den Tonnen eines Fahrwassers entlang. Bei einer bestimmten müssen wir dann etwa eine dreiviertel Meile Kurs 140 Grad fahren. Bei drei Knoten Fahrt macht das eine Viertelstunde. Mich reizt seit langem blindes Fahren nach Kompasskurs und deshalb mache ich die Probe aufs Exempel: Obwohl man die Tonne schon von unser letzten bekannten Fahrwassertonne aus sehen kann, fahre ich stur nach Kompass und Uhr.
Nach 14 Minuten verliert Gerd leider die Geduld und pfeift zum Sammeln, weil wir bereits 50 Meter neben der Tonne stehen. Zwar wäre ich noch eine Minute weiter gefahren, aber ich bin doch beeindruckt, wie genau wir unser Ziel getroffen haben. Zur Sicherheit -- es hätte ja sein können, dass es die Tonne gar nicht gibt -- haben wir vorher noch die Peilung zur Westspitze von Spiekeroog genommen und zur Ostbake von Langeoog. Wir kontrollieren diese kurz und bestätigen so, dass wir tatsächlich dort sind, wo wir sind.
Die andere Gruppe hat die Aufgabe, uns zum Wattenhoch des Neuharlingersieler Wattfahrwassers zu führen. Das ist nun durch keinerlei Seezeichen markiert und muss durch reine Koppelnavigation und Kreuzpeilung gefunden werden. Hier klappt die Übereinstimmung zwischen geschätzter Geschwindigkeit und in der errechneten Zeit zurückgelegter Strecke (man könnte auch sagen: tatsächliche Geschwindigkeit) nicht so perfekt. Die Kreuzpeilung ergibt, dass wir noch ein gutes Stück weiter paddeln müssen.
An diesem zweiten Ziel angekommen, dürfen wir endlich unsere Rettungsübungen wiederholen. Diesmal gleich unter Inquisitionsbedingungen. Aber wir sind inzwischen deutlich souveräner geworden und es gibt nichts zu mäkeln. Gerd versucht noch, mit seinem leeren Boot die Eskimorolle zu üben und muss feststellen, dass es offensichtlich leichter ist, mit einem vollen als mit einem leeren Boot zu rollen.
In Neuharlingersiel steht das Wasser so hoch, dass wir direkt an der Parkplatzrampe anlanden können -- das erspart eine Menge Lauferei. Noch ein kurzes Gruppenfoto und dann können wir unsere Siebensachen zum letzten Male umladen.
Hochachtung, Respekt und Dank allen, die Freizeit und Engagement opfern,
um anderen die Techniken, Geheimnisse und Schönheiten des Seekajakfahren
zu vermitteln. Respekt auch vor der in der SaU versammelten Kompetenz in
allen durch diesen Sport berührten Gebieten. Der Kurs hat mir viel Freude
und großen Spaß bereitet, so daß ich eine Wiederholung nicht ausschließen
kann.
Altenholz, den 9. November 2000