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Montag, den 10. August 1998

Trotz des frühen zu-Bett-Gehens kommen wir erst um halb neun in die Hufe. Ein letztes Mal müssen wir unser Gepäck in den Booten verstauen. Ich muss leider feststellen, dass mir nach Trinkbecher und Druckbleistift nun auch noch meine Zahnbürste abhanden gekommen ist. Ich werde mir in der Zivilisation eine neue kaufen. Richard hat sich im strahlenden Sonnenschein den Oberkörper entblößt und unterzieht sich einer intensiveren Wäsche. ``Eigentlich müsste man baden!'', sagt er und kurze Zeit später plantschen wir beide im herzhaft erfrischenden Wasser. Die Temperatur des Badewassers dürfte bei lauen 14-15 Grad liegen.

Derart erfrischt machen wir uns auf unsere heutige Reise. Etwa 20 Kilometer Paddeln bis Seeshaupt ist angesagt. Es herrscht mehr oder minder Flaute, allerdings schräg von vorne. Wir fahren zwischen den beiden Inseln entlang und wundern uns, wovon die Bewohner der etwa zehn Häuser von Marderoog ihren Lebensunterhalt bestreiten. Hinter den Inseln müssen wir auf die freie See hinaus, um den nördlichen Arm des Biglake bis zu seinem Ende paddeln zu können. Als wir an der flachen Landzunge, die die beiden Seearme voneinander trennt, vorbeipaddeln, tauchen wieder die Elchkuh und ihr Kalb auf. Die beiden sind also auch mal eben hier herüber geschwommen. Wir beobachten die beiden eine Weile, aber die Kuh ist äußerst misstrauisch und beobachtet uns ihrerseits unentwegt. Schließlich ziehen wir wieder unsere Bahn durch das kristallklare Wasser.

Die Sonne am Himmel ist wie gestern abend schon mit einem wunderschönen Halo umgeben. Besonders gut kann man ihn im Wasser beobachten, da es hier nicht so blendet, wie wenn man direkt in den Himmel sieht. In zügigem Tempo nähern wir uns unserem finalen Anlegeplatz. Nach einer ausgiebigen Pause erreichen wir ihn schließlich um vier Uhr nachmittags.

Als erstes tauschen wir die Gummistiefel, die wir seit zehn Tagen ununterbrochen an den Hacken haben, gegen normale Straßenschuhe. Das Auseinanderbauen meines Bootes und das Verstauen des Gepäcks nimmt nicht viel Zeit in Anspruch. Schon bald schiggern wir gemütlich nach Süden.

Richards einzig offener Wunschpunkt für diesen Urlaub ist Blaubeer-Pflücken. Also haben wir uns gedacht, nähern am Meeresniveau gelegene Gefilde aufzusuchen und dort unser Zelt aufzuschlagen. Unterwegs kehren wir wieder in einem Landhandel ein und kaufen Kultur-Milch und zwei Snikkers und einen Liter O-Saft. Honig gabs wieder nur in den großen, teuren Gläsern.

Bis Unterstedt brauchen wir wieder nur eine knappe Stunde und als wir über die sich anschließende Hochebene fahren, einigen wir uns darauf, nur bis spätestens neunzehn Uhr zu fahren oder bis der Höhenmesser auf meiner Uhr weniger als 500 Meter anzeigt. Es ergibt sich, dass beides ziemlich gleichzeitig erreicht ist.

Wir finden einen angenehmen Zeltplatz nicht zu dicht an der Straße direkt neben unermesslichen Blaubeerfeldern. Nur Richards Auto weigert sich, den steilen Feldweg hochzufahren, und so lassen wir es auf halben Wege einfach stehen. Während Richard sich noch um frisches Wasser kümmert und auf einem Campingplatz fündig wird und dort auch gleich noch das auf 22tex2html_wrap_inline1909Celsius aufgeheizte Klo genießt, habe ich mich schon mit Blechtopf bewaffnet in die Blaubeeren gestürzt.

Es ist ein mühseliges Geschäft, eine erkleckliche Menge dieser kleinen Köstlichkeiten in einem Topf zu vereinen. Nach etwa eineinhalb Stunden stellen wir die Aktion ein, weil sich unser Hunger unüberhörbar meldet. Heute gibt es Maggi Kartoffel-Snack mit Pilzen. Es ist schnell und einfach zubereitet und schmeckt uns beiden ausgesprochen lecker. Ein kleiner Könschnack, ein abschließender Tee, ein bis zwei Dutzend totgeschlagende Mücken - so neigt sich dieser Tag dem Ende.


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Mathias-H. Weber